Grün für eine kühlere Zukunft
Unsere Städte stehen unter Stress – und das nicht nur sinnbildlich, sondern auch physisch spürbar: Überhitzte Plätze, versiegelte Flächen und fehlender Schatten sind die Folgen.

DE-STRESS Bereich im Deutschen Pavillon, Architekturbiennale in Venedig 2025
Foto Patricia Parinejad
Was der Deutsche Pavillon auf der Architekturbiennale in Venedig unter dem Titel „Stresstest“ eindrucksvoll erfahrbar macht, ist vielerorts bereits Realität: Der urbane Raum heizt sich auf – mit spürbaren Folgen für Gesundheit, Alltag, Infrastruktur und Lebensqualität.
Der Pavillon stellt eine einfache, aber grundlegende Frage: Warum handeln wir nicht, obwohl wir längst wissen, was zu tun ist? Die Ausstellung zeigt, dass es nicht an Lösungen fehlt, sondern an deren konsequenter Anwendung. Begrünung, Verschattung, Belüftung, Entsiegelung: Die Prinzipien einer klimaangepassten Stadtgestaltung sind bekannt. Doch tradierte Planungsprozesse, sektorales Denken und veraltete Prioritäten verzögern die Umsetzung. Der „Stresstest“ formuliert deshalb einen Weckruf an alle, die die Stadt mitgestalten: ArchitektInnen, LandschaftsplanerInnen, Verwaltung, Politik – und die Gesellschaft als Ganze. Nicht als Anklage, sondern als Einladung zur gemeinsamen Verantwortung. Diese Haltung teilen wir bei zillerplus.
Als Freunde und Unterstützer des Deutschen Pavillons begleiten wir den Beitrag mit Überzeugung, denn er macht sichtbar, was auch unsere tägliche Praxis bestimmt: Architektur und Landschaft zusammenzudenken, konkrete Antworten auf Hitzestress zu geben und Räume zu schaffen, die dem Klimawandel nicht nur standhalten, sondern aktiv entgegenwirken.

Gemeinschaftsdachgarten mit Terrasse, Baugruppenhaus HEIMATMOLE im Baakenhafen der Hamburger HafenCity
Foto zillerplus
Unsere Projekte zeigen, wie sich Gebäudegrün gezielt einsetzen lässt – nicht als dekorativer Zusatz, sondern als integraler Bestandteil eines klimaresilienten Gebäudebestands. Begrünte Fassaden, gemeinschaftlich genutzte Dachgärten und klimaaktive Innenhöfe sind keine Showeffekte, sondern funktionierende Bausteine für eine lebenswertere Stadt. Denn die Entscheidungen über das Stadtklima von morgen werden heute getroffen. Jede Entscheidung für Grün ist auch eine Entscheidung für Aufenthaltsqualität, Gesundheit und kollektive Resilienz.
In der Heimatmole im Baakenhafen verbinden wir bodengebundene und fassadengebundene Begrünung zu einer raumhaltigen grünen Fassade mit Kletterreben, Kräutern, produktivem Grün und wohnungsnahen Außenräumen. Diese schaffen Schatten, Verdunstung und Aufenthaltsqualität. Die gemeinschaftlich genutzte Dachterrasse mit Pflanzbeeten, Photovoltaikanlage und Ausblick ergänzt das Konzept ebenso wie der begrünte Hof und der Heimatclub als erdgeschossiger Treffpunkt.

"Grünes Zimmer" in der Heimatmole
Foto Florian Holzherr
Auch in der Mainzer Straße in München ist der Innenhof mehr als nur eine Erschließung: Er ist Aufenthaltsraum, Garten und klimatischer Ausgleichsraum zugleich – mit Fassadenbegrünung der Aufzugsschächte und gemeinschaftlichen Hochbeeten.

Fassadenbegrünung an den bestehenden Aufzugsschächten
Foto Florian Holzherr

Neubau eines urbanen Holzbau in München-Schwabing mit gemeinschaftlich nutzbaren Aufenthaltsbereichen mit Hochbeeten („urban gardening“), Kinderspielbereiche und Abstellplätze für Fahrräder im Hof. Foto Florian Holzherr
Weitere Projekte zeigen, wie sich Gebäudegrün, Energieversorgung und architektonische Struktur wirkungsvoll verbinden lassen – je nach Kontext ganz unterschiedlich.
„Smart ist grün“, ein Neubau auf der grünen Wiese im Rahmen der IBA Hamburg, entstand 2013 als Teil der Smart Material Houses. Das Projekt kombiniert Fassadenbegrünung mit Photovoltaikmodulen, Solarthermie, variablen Grundrissen und robusten Materialien. Hier wird Energie nicht nur erzeugt, sondern auch sichtbar, nachvollziehbar und wartbar gestaltet.

Auf den Balkonen werden Rankelemente mit Kletterhortensien begrünt, die durch Photovoltaikmodule in den Balkonbrüstungen ergänzt werden. Foto zillerplus
Foto zillerplus
Der „Gelbe Block” ist dagegen eine innerstädtische Nachverdichtung und der Beweis, dass sich auch Bestandsstrukturen erfolgreich an den Klimawandel anpassen lassen. Mit begrünter Aufzugsturmfassade, gezielter Aufwertung der Zwischenräume und durchdachten Maßnahmen zur Freiraumgestaltung zeigt das Projekt: Klimaanpassung ist keine Frage des Baujahres, sondern der Haltung.
All diese Beispiele haben gemeinsam, dass sie keine utopischen Bilder schaffen, sondern funktionierende und lebenswerte Räume – für heute, nicht erst für morgen.