Smart ist grün

Lokales Energiemanagement und flexible Räume: Ein Konzept für alle Lebensphasen

Luftbild (IBA Hamburg GmbH - Falcon Crest Air)

 

Das Projekt des Wohnhauses „Smart ist grün“ ist Teil der Internationalen Bauausstellung (IBA) in Hamburg. Seit 1901 wird die IBA in wechselnden Stadt- und Landschaftsregionen Deutschlands veranstaltet, um sich deren aktuellen Wandel zu widmen und ihn aktiv zu gestalten. Die Bauausstellung ist keine Ausstellung im klassischen Sinne. Vielmehr werden in einer langjährigen Forschungs- und Entwicklungsphase baukulturelle und städtebauliche Fragen der jeweiligen Region behandelt. Daneben widmet sich die IBA vermehrt den ökologischen Aufgaben des Bauens.

Obergeschoss - gemeinschaftliches Wohnen

Smart Material Houses

Das Projekt des Wohnhauses „Smart ist grün“ ist ein Baustein der „Bauausstellung in der Bauausstellung“ in Wilhelmsburg. Die IBA Hamburg versteht das Projekt als „Case Study Houses“ des 21.Jahrhunderts.

Als Smart Material House wurde „Smart ist grün“ mit einem 1.Rang juriert. Die vorgeschlagene Gebäudestruktur und die verwendeten Materialien sollten dabei auf soziale und klimatische Veränderungen reagieren und sich diesen anpassen können. Die Entwicklung neuer energieeffizienter Materialien und variabler Grundrisse sind wesentlicher Teil des Entwurfsprozesses. In Anlehnung an die Case Study Houses versteht sich „Smart ist grün“ als prototypisches Wohngebäude.

„Die Ästhetik der Energiewende sichtbar zu machen und die neuen Techniken und Materialien zu integrieren“, so formuliert Michael Ziller das Ziel des Entwurfs.

Eingangsbereich Erdgeschoss - Gemeinschaftsfläche mit PCM-Vorhang (Prototyp)

Smart ist grün

„Smart ist grün“ verschreibt sich ganz den Anforderungen des nachhaltigen Wohnungsbaus. Der kompakte und ca. 15m tiefe Baukörper erzeugt eine hohe Bebauungsdichte. Auf 5 Geschossen sind 14 Wohnungen dreispännig um einen nördlichen Erschließungsraum organisiert. Entsprechend den klimatischen Bedingungen und den Gegebenheiten des Ortes öffnet sich das Gebäude nach Süden. Die Wohn- und Schlafräume werden im Osten und Westen über verglaste Loggien, die zusätzlich als Lärmpuffer wirken, aufgewertet.

Der in das Volumen eingeschnittene großräumige Eingangsbereich dient als Ort der Kommunikation. Ost-, West- und Nordfassaden sind als weiß verputzte Lochfassaden mit stehenden Fenstern und vorgehängten Aluminiumtafeln ausgebildet, die zukünftig weitere solare Elemente aufnehmen können. Die Tafeln ergänzen die südlich angebrachten Rankelemente auf den Balkonen zu einem umlaufenden Fassadenmotiv. Ihre Stapelung assoziiert mit Containern der vormalig industriellen Nutzung des Areals.

Wohnung

smart Living – der Raum

Die konsequente Trennung zwischen Konstruktion und Ausbau, zwischen tragenden und leichten Wänden, ermöglicht eine hohe innere Flexibilität der Wohnungsgrundrisse. Die Grundrisse können nach den individuellen Bedürfnissen der Bewohner konfiguriert und angepasst werden und die Lage der einläufigen Haustreppe erlaubt das Öffnen weiterer Wohnungszugänge: die Struktur nimmt flexible Grundrisse für Paare, Single-Wohngemeinschaften und Familien in wandelnden Lebenssituationen auf.

Energieflussdiagramm

 

smart Skin – Hülle und Energiekonzept

Die Gebäudehülle ist das zentrale Element des Austauschs zwischen Innen und Außen. Fassade und Dach sind aktiver Teil des versorgenden Energiekonzeptes: Die als Attika und auf den Dachflächen installierten Solarthermiekollektoren liefern die Wärme für Wasser und Heizung. Photovoltaikmodule in den Balkonbrüstungen erzeugen aus der Sonneneinstrahlung Strom. Hinter dem einfachen wie klugen Konzept verbirgt sich ein ausgefeiltes System und eine entwickelte Technik. Den als Geschossgärten ausgebildeten Balkonen sind partiell, vertikale bewässerte Rankelemente vorgehängt. In den warmen Monaten verschattet die darin gepflanzte Kletterhortensie die Freibereiche. Hinter der großflächigen Verglasung nach Süden werden in den Innenräume zusätzlich PCM-Vorhänge eingesetzt. Die Vorhänge wurden in einem kooperativen Design- und Produktionsprozess als Prototyp für das Gebäude auf der IBA-Hamburg entwickelt.

PCM steht dabei für Phase- Change-Materialien, Aggregats wechselnde Materialien die Wärme latent, speichern und wieder abgeben können. In den Wintermonaten nehmen die Vorhänge die Wärme der flach stehenden Sonne auf und geben sie während der Nacht an die Räume ab. Dadurch wird der thermische Komfort entlang der großflächigen Verglasungen erhöht. Im Jahr 2013/2014 werden die Prototypen im Rahmen des Monitoring für das Gebäude getestet.

Das PC-Material kommt auch als zentraler Energiespeicher der überschüssigen Wärme aus der Solarthermieanlage zum Einsatz. Zudem ist das Wohnhaus im öffentlichen Stromnetz und im Energieverbund Wilhemsburg vernetzt. Der nicht speicherbare Überschuss der eigenen Energieerzeugung wird in das Netz gespeist. In andauernden Kälteperioden stellt der Energieverbund Wilhemsburg die Wärmeversorgung des Hauses sicher. Das Energiekonzept orientiert sich an dezentralen Versorgungsstrategien und leistet einen wesentlichen Beitrag zum schrittweisen Umstieg auf erneuerbare Energien.


Projektdaten

Ort:

Case Study House IBA, IBA Hamburg, Neue Mitte Wilhelmsburg

Bauherr:

Behrendt Wohnungsbau GmbH & Co KG, Hamburg

Wettbewerb:

2009, 1. Preisgruppe

Fläche:

BGF 1.880 m², Wohnen 1.477 m², 14 Wohneinheiten

Bauzeit:

Projektentwicklung, Simulation 2010-2011, Planungsbeginn mit Behrendt Wohnungsbau Juli 2011

Baubeginn:

Dezember 2011, Fertigstellung März 2013

Leistung:

HOAI LP 1-5, teils 6,8

Auszeichnungen / Awards:

  • Dena Effizienzhaus-Plus,
  • DGNB Gold Zertifiziert,
  • Passivhaus,
  • BMWI (Bundesmin. für Wirtschaft und Energie) Preis 2011, „Architektur mit Energie“, lobende Erwähnung
  • Energy Effizienz Award 2011
  • Exzellenz Auszeichnung IBA (Internationale Bauausstellung) Hamburg 2013
  • Deutscher Solarpreis 2013

Obergeschoss - gemeinschaftliches Wohnen