Verknüpfen + Verbinden

Wie Zusammen Leben? Neubau Wohnbebauung in Hamburg

Konzept

„Wie Zusammen Leben?“ ist die Frage, die wir uns bei jedem Entwurf im Wohnungsbau stellen. Wie wir positive Visionen des Zusammenlebens entwickeln und umsetzen können, welchen Beitrag Architektur und Stadtplanung dabei spielen. Nun ist der Wohnungsbau wieder zu einem politisch zentralen Thema geworden – und das sehen wir als Chance, um intensiv an dem Programm, an der Typologie und an dem Kontext zu arbeiten.

Die Mitwirkung der Beteiligten im Sinne des „Social Design“ und einer Mischung in Bezug auf Alter, Herkunft und ökonomischem Status gepaart mit einer Nutzungsmischung scheinen uns bei der Auslobung des Wettbewerbs und den zwei Genossenschaften der Schlüssel zu sein. So ergibt sich ein Gebäude, das sich aufgrund der Trägerschaft der zunehmenden Ökonomisierung des Wohnungsbaus zwar nicht entziehen – diese aber relativieren kann. Prägendes Element dabei die Selbstwirksamkeit der Beteiligten und damit die Chance, vielfältiger, bedarfsgerechter und weniger an den Standardbildern entlang zu bauen und somit atmosphärisch und wirtschaftlich angemessenen Wohnraum zu schaffen.

Lageplan

Vorbild HafenCity

Die HafenCity als Musterbeispiel für einen integrierten Städtebau bietet die Chance für eine Diskussion und eine Verbreitung, um Übersetzungen in den Alltag anderer Neubaugebiete finden zu können.

 

Städtebau

Durch unsere Entscheidung, die strenge Baukörperform des städtebaulichen Konzeptes direkt zu übernehmen, soll das Gebäude die Idee der Hamburger Burgen als zusammenhängendes städtebauliches Band unterstützen und sich behutsam und bescheiden in die Situation eingliedern. Daraus ergeben sich strukturell viele Eckwohnungen mit sehr guten Blicken und Belichtungen, deren Qualitäten in den Wohnungen herausgearbeitet werden. Die Verwebung der Wohn- und Nutzungsformen wird auch in der Fassadengestaltung ablesbar gemacht. Die zwei Seiten – Allee im Süden und Waterfront im Norden haben jeweils eigene Qualitäten, vor allem ein „Flirt“ mit den Wasserhäusern macht die Situation außergewöhnlich.

Erdgeschoss

Logistik und Struktur

Zwei Adressen – eine Hausgemeinschaft – ein Haus: fluwog und altoba erhalten jeweils eigene Adressen und Treppenhäuser. Als gemeinsame Verbindungselemente sind ein Foyer und eine Dachterrasse entstanden.

Konsequent entlang der Baakenallee angeordnet gibt es die Gewerbeeinheiten : So dient das Gebäude auch seiner umgebenden Bebauung und der Nachbarschaft. Um die Tiefgarage attraktiv und effizient zu gestalten, ist diese im 2. UG zusammengefasst. Die direkte PKW-Rampe dorthin schafft Platz für Fahrräder und Abstellräume im 1. UG vom Petersenkai aus. Die einfache technische Anordnung der Triplexparker optimiert die Stellplatzanzahl und Wirtschaftlichkeit.

Nordansicht

Fassade und Materialität

Eine Bescheidenheit in der Fassade entspricht aus unserer Sicht der Bauaufgabe:  eine duale Materialität (heller Ziegel und geschlämmter Ziegel in Verbindung mit Glas) in zwei Fassadenebenen und der damit verbundenen Reliefwirkung. Diese Wirkung wird verstärkt durch die horizontale Schichtung des Gebäudes mit öffentlicher Erdgeschoßzone und zweigeteilter Wohnnutzung. Eine massive Erscheinung und tief liegende, stehende Fensterformate führen zu einer Eigenverschattung und Lebendigkeit in der Fassade und damit zu einer „kraftvollen Bescheidenheit“.

Energiekonzept, Wärmeschutz, Schallschutz

Ausgangspunkt für uns ist der Fernwärmeanschluss, um den Gold Standard zu erreichen, dazu eine angemessene und nicht zum Selbstzweck werdende Technik mit einem Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung und eine Grauwassernutzung. Der sommerliche Wärmeschutz wird unter Berücksichtigung der Eigenverschattung, Speichermasse, Fensterflächenanteil und Glasgeländer aus Sonnenschutzglas mittels einer thermischen Simulation nachgewiesen.

Die Innovation bei dem Gebäude sehen wir in der Durchmischung der Funktionen und der sozialen Kontaktmöglichkeiten. So ist der ganzheitliche Ansatz die Qualität des Hauses, die keiner großen Geste sondern einer behutsamen Ausarbeitung bedarf. Schlussendlich ist es für uns die „Liebe auf den zweiten Blick“, die das Gebäude sympathisch wirken lässt und eine dauerhafte Nachhaltigkeit sichert.


Projektdaten

Ort:

Hamburg

mit Hunk+Lorenz Landschaftsarchitekten, Hamburg

Bauherr:

Altonaer Spar- und Bauverein eG und Baugenossenschaft FLUWOG-NORDMARK eG, Hamburg

Fläche:

BGF Wohnen 4.900 m², BGF Gewerbe + Gemeinschaft 310 m², 54 Wohnungen, TG mit 79 PKW und 141 Fahrrädern

Fertigstellung:

Realisierungswettbewerb, 2015, Baakenhafen, Hafencity Hamburg

Leistung:

Realisierungswettbewerb

Lageplan

Erdgeschoss

Nordansicht

Schnitt